Tempelanlage von Karnak

Sie ist dem Gott Amun geweiht und war noch im 19. Jahrhundert zum größten Teil mit Sand bedeckt. An dieser Tempelanlage wurde seit der 11. Dynastie (2000 vuZ) bis in die Römerzeit (395 uZ) gebaut. Innerhalb einer großen Umfassungsmauer erhebt sich der Tempel des Amun.

Der Haupttempel selbst besteht aus einer riesigen Menge von Bauten, welche die ganze Anlage zum größten Heiligtum des Landes machten. Vor dem mächtigen 1. Pylon sind die Fragmente einer kleinen Kaianlage zu sehen, die über einen Kanal mit dem Nil verbunden war. Der Weg zum 1. Pylon wird von Sphingen in Gestalt eines Widders (heiliges Tier des Ammun) gesäumt. Die ägyptischen Tempel wurden in der Regel vom Allerheiligsten ausgehend nach außen gebaut. Die Besichtigungen hingegen erfolgen in umgekehrter Reihenfolge. Die Pläne im Durchgang des 1. Pylons bieten einen guten Überblick über die Gesamtanlage.

Im Ersten Hof stehen zwei kleine Tempel. Links ein kleines dreiteiliges Heiligtum von Sethos II für Amun, Mut und Chons, auf der rechten Hofseite ein Tempel von Ramses III. mit zwei Kolossalstatuen seines Erbauers. Er diente als Geburtshaus für den Sohn des Amun (der hier gleichgesetzt ist mit Ramses III.) In Hofmitte stand eine von dem kuschitischen Herrscher Taharqa errichtete Kapelle, von der lediglich noch eine Säule zu sehen ist.

Der heute stark zerstörte 2. Pylon wurde unter Haremhab (1300 vuZ) begonnen und ca. 100 Jahre später beendet. Dahinter befinden sich die 134 Papyrus-Säulen des Großen Säulensaals. Die mittleren Säulenreihen sind höher, ihr Kapitell zeigt jeweils naturgetreu eine geöffnete Papyrusdolde, denn sie erhielten von den Seitenfenstern (die zum Teil noch vorhanden sind) Licht. Die anderen Säulenkapitelle, die im Halbdunkel der Decke stehen, sind mit geschlossenen Blüten (wie Pflanzen im Dunkel) dargestellt. Die Gesamtkonzeption geht auf Sethos I. zurück. An den Wänden und Säulen haben sich Sethos I. und Ramses II. mit Reliefs religiösen Inhalts dargestellt. An der südöstlichen Außenwand des Saales ist die Schlacht von Kadesch unter Ramses II. dargestellt, während die westliche Wand in Höhe des 2. Pylons die asiatischen Feldzüge von Scheschonk I. zeigen. An der nördlichen Außenwand erscheint Sethos I. als siegreicher Krieger.

Zwischen dem 3. und 4. Pylon führt ein Trampelpfad nach Norden zum kleinen Tempel des Ptha und seiner Gemahlin Sachmet (mit Löwenkopf).

Im Mittelhof des Amun-Tempels standen neben dem 20 m hohen Obelisken des Thutmosis I. noch drei weitere; die den während der 18. Dynastie bestehenden Eingang zum Tempel markieren. In der nächsten Säulenhalle, gleich nach dem 4. Pylon steht der aus Rosengranit bestehende Obelisk der Haptschepsut, (der obere Teil befindet sich heim Heiligen See). Er ist der höchste und schönste Obelisk in Karnak und stammt vom Granitsteinbruch in Assuan. In einer langen Inschrift auf dem unteren Teil des Obelisken wird über seine Herstellung berichtet.

Vom stark zerfallenen 5. Pylon kommt man zum 6. Pylon mit der „Liste der Fremdvölker“, das ist ein Verzeichnis der Länder und Städte, die von Thutmosis III. unterworfen wurden. Auch die beiden mit Papyrus und der „Lilie des Südens“ verzierten Pfeiler aus Granit wurden in seinem Auftrag aufgestellt. Sie bilden den Durchgang zum Sanktuar des Philipp Arrhidaios (323-316 vuZ). Diese Kapelle nahm in der Ptolemäerzeit das Kultbild und die für Prozessionen benutzte Götterbarke auf. Die beiden Monolithischen Granitpfeiler auf dem Vorplatz symbolisieren die beiden altägyptischen Landeshälften. Der südliche Oberägypten mit der Lotosblüte als Wappenpflanze, sein Gegenstück trägt die Papyrusdolde als Wappenpflanze Unterägyptens. Auf der Wand nördlich des Sanktuars sind Auszüge aus dem Kriegstagebuch Thutmosis III. dargestellt. Die aus 17 Kriegszügen stammende Beute stiftete er seinem göttlichen Vater Amun.
Der Hof des Mittleren Reiches öffnet sich hinter dem Barkensanktuar. Hier sind noch spärliche Reste aus dieser Zeit erhalten. Neben einigen Türschwellen aus Granit ist ein großer Block aus Kalzit-Alabaster zu sehen, zu dem Treppenstufen empor führen. Auf der Oberseite sind Vertiefungen erkennbar, in denen ein hölzerner, mit Gold verkleideter Schrein aufgebaut war, in dem das Götterbild des Amu-Re während des Mittleren Reiches ruhte.

Am östlichen Ende des eigentlichen Tempelbaus schließt sich die quergelagerte „Festhalle“ von Thutmosis III. an. Sie wurde errichtet als dauerhafter Ort für das Regierungsjubiläum des Herrschers. Die Decke trägt noch Reste der Bemalung, d.h. den blauen Himmel mit goldenen Sternen. Einige Pfeiler wurden mit christlichen Motiven übermalt. Hinter der Halle lag das Allerheiligste. Von hier stammt die bekannte Karnak-Liste, die eine chronologische Abfolge von Königsnamen enthält, die trotzt Lückenhaftigkeit großen Wert für die Altertumsforscher hatte.

Der Botanische Garten in den östlichen Räumen enthält an den Wänden Reliefs, auf denen Pflanzen und Tiere Ägyptens und der Nachbarländer lehrbuchmäßig dargestellt sind. Ein Bildhymnus an den Sonnengott.

Über eine Holzbrücke kommt man zur Rückseite des Tempels. Hier stößt man auf ein quadratisches Steinpflaster, auf dem einst der größte ägyptische Obelisk stand, der sogenannte „Lateran-Obelisk“. Er befindet sich seit dem 18. Jhd auf dem Lateranplatz in Rom vor der Kirche San Giovanni. Er wurde in Auftrag gegeben von Tuthmosis III. und von Ramses II. mit einem Tempel für Amun „der die Gebete erhört“ umgeben, dessen Mauern und Säulen noch unmittelbar hinter der Obeliskenplattform zu erkennen sind.

Der „Heilige See“ an der Südseite des Tempels diente als Wasserreservoir, wurde aber auch zu rituellen Bootsfahrten und Reinigungszwecken genutzt. Hier hat man einen guten Überblick über die Südachse mit den vier Pylonen. Die Figur eines riesigen Skarabäus (heiliger Käfer des Sonnengottes Re) wurde an der Nordwestecke des Sees errichtet. Ursprünglich befand sie sich im Totentempel des Amenophis III. auf dem thebanischen Westufer.

1902 wurde im Hof vor dem 7. Pylon die „Cachette“ (Statuenverstecke u.a. in den Tempeln von Karnak und Luxor) entdeckt. Mehr als 18000 Statuen aus Bronze und Stein wurde dort geborgen.


Auf der Südseite des Achten Pylons stehen zwei imposante Statuen, die westliche von Amenophis I. ist noch gut erhalten.

Der Neunte Pylon wurde in den letzten Jahrzehnten demontiert. Sein Kernmaterial, das aus zehntausenden von Reliefblöcken von Amenophis IV. (Echnaton) bestand, wurde hier nach Ende der Amarna-Zeit als Baumaterial wiederverwendet. Im Luxor-Museum ist eine Tempelwand aus diesen Fragmenten zusammengesetzt.

Das Freilichtmuseum im Nordwesten der Tempelanlage zeigt wieder errichtete Teile aus fast allen Bauphasen. Die als Füllmaterial zweckentfremdeten Kapellen, Statuen und Tempelwände wurden hier erneut wieder zusammengesetzt. Die fortschreitende Erforschung des Tempels sieht man an den wechselnden Ausstellungen des Museums. Die wichtigsten Stücke sind die unter Sesostris I. (1900 vuZ) errichtete „Chapelle blanche“ aus weißem Kalkstein und die von Hatschepsut gestiftete „Chapelle rouge“ mit den zarten Reliefs in rötlichem Quarzit.