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Biedermeier (1815 - 1848)
1.1 Begriff
Die "Fliegenden Blätter" haben den zeittypischen Rückzug
in die private Idylle parodistisch am Beispiel eines schwäbischen
Lehrer namens Gottlieb Biedermeier dargestellt. Danach ist die Epoche
benannt.
Aufgrund der Restaurationspolitik sind die biedermeierlichen Dichter
sehr unpolitisch, unrevolutionär
Heimatverbundenheit, Religion, Pflege des Althergebrachten, schlichte
Genügsamkeit ist ihr Ziel.
Quietismus, Bändigung der Leidenschaften, mitunter Schwermut ist
die Eigenart dieser Dichter.
1.2 Historischer Hintergrund
Leitung des Wiener Kongreßes durch den österreichischen Monarchen
Fürst von Metternich
Gründung des Deutschen Bundes (1815), Karlsbader Beschlüsse (1819)
Restaurationspolitik (1815-48) mit gravierenden Folgen für die Literatur
einsetzende Industrialisierung, Massenelend
1.3 Weltbild und Lebensgefühl
Das Bürgertum hatte den Kampf gegen Napoleon als Befreiungskampf
der Nation vertreten und geführt. Nach dem Sieg erwartete es eine
Verfassung, die ihm politische Mitwirkung erlauben und Fürstenwillkür
ausschließen würde. Dies verhinderten die Fürsten (Restauration,
Wiederherstellung der Macht des Adels) durch Polizeiregimes. Die
Literaten neigten teils zu einer resignativ - konservative und teils
zu einer progressive Haltung.
Die gegen Ende der Epoche einsetzende industrielle Revolution führt
zu tiefen sozialen Umschichtungen und Unsicherheiten. Einem reichen
Großbürgertum steht verarmende Arbeiterschaft, Handwerker und Bauern
(Weberaufstand 1844) gegenüber. Das unpersönliches Großstadtleben,
Reisemöglichkeiten (Amerika), neue Informationen müssen psychisch
und physisch bewältigt werden.
Die Schriftsteller der Epoche wenden sich den neuen Gegebenheiten
bewusst zu, oder sie wenden sich bewusst davon ab. Die unüberbrückbar
scheinende Kluft zwischen Realität und Idealen kann durch beide
Wege nicht geschlossen werden. Viele Dichter halten sich für schwächliche
Nachahmer (Epigonen) der früheren Generationen.
Die politische Spannung, die einsetzende Industrialisierung, die
Vermassung vermitteln das Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber Veränderungen.
Es entsteht die Frage, ob das Handeln des Einzelmenschen frei ist
oder ob es nur Notwendigkeiten unterliegt. Wie kann das Individuum
die Geschichte beeinflussen frägt der Schriftsteller und wendet
sich verstärkt geschichtsphilosophischen Fragen zu.
Er klammert sich an Traditionen, oder er lehnt sie ab; er pflegt
Selbstmitleid und Weltschmerz oder er biginnt nach Befreiung zu
suchen. Die Zerrissenheit des Barock scheint sich zu wiederholen.
Wie dort Schäferidylle gegen das "memento mori" anzutreten hatte,
so bekämpfen sich in dieser Epoche die konservativen und die progressiven
Ideen. Einige Schriftsteller wenden sich davon ab und ziehen nach
in die freiheitlichere "Neue Welt".
Der biedermeierliche Autor zieht sich ins private Leben zurück;
er sucht die enge Idylle, das Detail, die kleinen Freuden das Alltags,
den Naturgenuss, er lebt in der Erinnerung an eine bessere Vergangenheit.
Jedoch bleibt er bedroht: durch das Chaos der Leidenschaften von
Innen, durch das Chaos einer sich zerstreitenden Gesellschaft von
außen. Er übt sich in Entsagung und Selbstüberwindung. Die biedermeierliche
Heiterkeit ist voll Schwermut und diese Mischung ergibt den Humor,
das schmerzliche Lächeln über das große Streben vergangener
Geschlechter und der unerfüllte Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen.
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1.4 Gegenströmungen, Untergruppen
Vormärz, Junges Deutschland
2. Wissenschaft
Das Bildungswesen wird verbessert, das Analphabetentum geht
stark zurück; ein größeres Publikum will sich informieren und ablenken.
Dem kommen Leihbibliotheken entgegen, große Lexika (Brockhaus, Meyer,
Welcker), vor allem aber Zeitschriften. Neue Erfindungen wie die
Schnelldruckpresse ermöglichen es, diese rasch und in hoher Auflage
herzustellen.
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3. Kunst
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4.1 Bevorzugte Formen der Dichtung
"Andacht zum Kleinen" (Stifter), demnach Bevorzugung kleiner literarischer
Formen wie Kurzgeschichten, Stimmungsbilder, literarischen Skizzen,
Studien, die Alt-Wiener Komödie (beeinflußt von der italienischen
"Commedia dell'arte"), das Wiener Volksstück mit singspielhaften
Einlagen.
Die durch die Zensur erzwungene politische Enthaltsamkeit begründet
eine unpolitisch - sentimentale Geselligkeit. Man schreibt einander
Verse in Stammbücher und Poesiealben, trifft sich in poetischen
Lesezirkeln und konsumiert die zahlreichen Taschenbücher und Almanache.
Auch viele Erzählungen bedeutender spätromantischer und biedermeierlicher
Autoren erscheinen auf diese Weise. Für eine kritische Öffentlichkeit
hingegen schreiben die oppositionellen Autoren in den Feuilletons
der Zeitschriften; dabei führen sie den politisch - literarischen
Essay zur Blüte.
Die biedermeierlichen Autoren ziehen sich häufig in ruhige Provinzorte
zurück und bleiben während ihres Lebens recht unbekannt und erfolglos.
Die oppositionellen Autoren dagegen treibt es in die großen Städte,
wo sie im Kreuzfeuer der öffentlichen Diskussion stehen; die radikaleren
unter ihnen arbeiten sogar mit politischen Gruppen zusammen.
Auch der schwäbische Dichterkreis um Ludwig Uhland, Justinus
Kerner und Gustav Schwab, ist stark biedermeierlich geprägt.
Ihm nahe steht Wilhelm Hauff, Eduard Mörike und Nikolaus
Lenau . Er nimmt eine gewisse Sonderstellung in der Epoche ein.
Starke romantische Anregungen (Volkslieder, Aufwertung des Mittelalters,
Phantastik) führen zur Beschäftigung mit Volksglauben und -sagen
Schwabens zum Lob eines hohenstauffischen und zugleich bürgerlichen
Mittelalters, in dem noch Tatkraft, Treue und Recht, bürgerliches
und nationales Selbstbewusstsein geherrscht haben sollen. Die Autoren
sind gemäßigt liberal. Uhland, Abgeordneter im württembergischen
Landtag, erarbeitet sich ein wissenschaftlich fundiertes Mittelalterbild.
4.2 Vertreter / Werke
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Biedermeier
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Annette
von Droste-Hülshoff
Novelle Die
Judenbuche. Gedichte mit
realistischen und naturalistischen Tendenzen |
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Jeremias Gotthelf
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Franz
Grillparzer
Schicksalstragödie Die
Ahnfrau, äußerlich klassizistische Dramen Sappho,
Das
Goldene Vlies, Trauerspiel Ein
treuer Diener seines Herrn, dramatisches Märchen
Der
Traum ein Leben, rührende Novelle Der
arme Spielmann |
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Wilhelm
Hauff
siehe Romantik |
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Friedrich
Hebbel |
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Karl
Leberecht Immermann
kritischer Zeitroman: Die Epigonen |
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Nikolaus
Lenau (Graf von Zinzendorf)
Kirchenlieder, Geistliche Gedichte (Herrenhuter Brüdergemeinde) |
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Eduard
Mörike
teils schwermütige Gedichte
Septembermorgen,
Im Frühling, Märchen
Das
Stuttgarter Hutzelmännlein, stimmungsvoller Roman
Maler Nolten, Schilderung von Mozarts Reise zur
Uraufführung Don Juans in der Novelle Mozart
auf der Reise nach Prag |
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Johann
Nepomuk Nestroy
zeitgenössische Stücke Der
Talisman, Die Launen des Glücks, Einen
Jux will er sich machen , Der
Zerrissene, satirische Systemkritik, Rückblick
auf die Märzrevolution in Freiheit
in Krähwinkel |
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Ferdinand
Raimund
Possen Das
Mädchen aus der Feenwelt, Der
Alpenkönig und der Menschenfeind mit Gestalten der volkstümlichen
Mythologie, Der
Verschwender |
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Adalbert
Stifter
kleine Erzählungen
Studien,
Bunte Steine mit programmatischer Vorrede, Darstellung
einer utopisch wohlgeordneten Welt in
Der Nachsommer |
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Uhland, Kerner, Schwab: siehe
Romantik
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5 Einzeldarstellungen,
Materialien, Quellen
Zur
Leittabelle Literaturgeschichte,
Zur
Zeittafel Allgemeine Geschichte, Zur
Dichterliste nach Epoche
Fremdlinks
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