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Zur Aggression
Manche Aggressionstheorien verstehen Aggression als Verhalten, andere definieren sie als Bedürfnis. Wenn Aggression ein Verhalten ist, das auf Schädigung und Verletzung zielt, so ist sie wegen ihrer negativen Folgen nicht erwünscht. Wird Aggression als "affektbedingtes Angriffsbedürfnis" (dtv-Lexikon) verstanden, so ist sie etwas ganz "Normales", das jeder von uns fast täglich spürt und das keinesfalls unterdrückt werden sollte. Vielmehr kommt es darauf an, Aggressionen auf offene, nicht verletzende Art auszutragen.
Unstrittig ist, dass Frustration (die Einschränkung von Bedürfnissen und Zielen) Aggression fördert. Aber nicht jede Einschränkung führt zu Aggression - aggressives Verhalten ist von mehreren Faktoren abhängig.
Bewiesen ist heute auch, dass ein geringes Selbstwertgefühl, Versagen in der Schule und ein negatives Selbstbild Aggressionen begünstigen (Schwind/ Baumann). Aggressionen koennen sich aber auch nach innen richten und zu Sprachstörungen, Krankheiten, Depressionen oder im Extremfall zu Selbsttötungsabsichten führen. Wut und Angst sind Gefühle, die sich hinter aggressivem Verhalten verbergen. Es sind "normale" Gefühle, die jeder Mensch hat und derer sich niemand zu schämen braucht. Unterdrückte Gefühle wirken im Unbewussten weiter und tauchen versteckt wieder auf - und unterdrückte Energie sucht sich Ersatzziele. "Viele der bekannten Formen fehlgeleiteter Aggression wie Herrschsucht, Vorurteile und Grausamkeit gegen Schwächere lassen sich zurückführen auf innerhalb der Familie entstandene, aber unterdrückte aggressive Gefühle." (Bach/Goldberg)
Zusammenfassend: Aggressionen, verstanden als "affektbedingtes Angriffsbedürfnis" oder gar als Verhalten, das nicht passiv ist, hat jeder Mensch. Sie auf nicht-verletzende Art in offener Konfrontation ausdrücken zu dürfen und sich der dahinterstehenden Gefühle nicht schämen zu müssen, sollte das Recht eines jeden Menschen - insbesondere eines jeden Kindes - sein.
Aggressionen in Form von unsozialem, destruktivem Verhalten hingegen ist Ausdruck geringer Selbstachtung und tiefer Verunsicherung von Angst und Frustration. Sie muss als Hilferuf verstanden werden.

Zur Gewalt
Manifestiert sich Aggressivität derart, dass Menschen zielgerichtet physisch oder psychisch geschädigt werden, wird von Gewalt gesprochen. Gewalt ist immer an Macht geknüpft, denn nur Macht ermögIicht dauerhafte, zielgerichtete Aggressionen wie
· Schlägereien mit Körperverletzung,
· Kindesmisshandlung,
· Raub,
· Sachbeschädigung und Zerstörung,
· körperliche und sexuelle Belästigung, gewaltsames Eindringen in Schutzräume,
· Tötung, Totschlag,
· Mord.
Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung hat den Begriff der strukturellen Gewalt geprägt, womit er gesellschaftlich grundlegende Ordnungssysteme und ökonomische Prinzipien meint, die materielle, soziale und ideelle menschliche Entwicklungen und Lebenszukunft verhindern.
Strukturelle Gewalt wird legal ausgeübt in Form von Massnahmen, Erlassen und Gesetzen, die viele Menschen nicht durchschauen und die höchst selten in ihrem Interesse liegen, die sie aber doch auf eine für sie diffuse Weise mittragen.

Gewaltlose Strategien entwickeln - sich an Leitbildern orientieren
Mit Gewalt und Gewaltanwendung muss man sich nicht abfinden. Gewaltanwendung in der Gesellschaft lässt sich vermindern, Gewaltanwendung in der Erziehung lässt sich vermindern, Gewaltanwendung unter Partnern zerstört die Partnerschaft, internationale Gewalt lässt sich kontrollieren und regulieren und verhindern. Mahatma Ghandi hat vorgelebt, was Gewaltlosigkeit bewirken kann, Martin Luther King hat mit seinem Lebenszeugnis aufgezeigt, welche Macht und welches Veränderungspotential in der Gewaltlosigkeit steckt, in der richtig angewandten gewaltlosen Aktion. Wir können Strategien der Gewaltlosigkeit entwickeln in unseren Jugendgruppen, in der Gesellschaft, in der Schule, in der Familie, in unserer Partnerschaft. Streitigkeiten lassen sich anders lösen als durch Gewalt. Konflikte lassen sich anders bearbeiten als durch Gewalt. Wir müssen die Kultur des Streites lernen und die Kultur der Konfliktaustragung lernen.

Zum Hass
Ein gegen Personen oder soziale Gruppen (Stände, Völker, Rassen, Minderheiten) gerichteter Vernichtungsaffekt von besonders stark ausstrahlender Wirkung auf alles mit den gehassten Personen Zusammenhängende. Im Unterschied zur Antipathie ist der Hass besonders affektstark.Tatsächlich entsteht Hass oft aus Gründen, die dem Bewusstsein zunächst entzogen sind, z.B. aus Angst, verletztem Selbstgefühl, Umschlagen von Liebe in Hass (Hassliebe, Ambivalenz). Das Bewusstmachen der seelischen Gründe kann oft zur Überwindung des Hasses beitragen. (aus: Brockhaus Enzyklopaedie)