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Goeckingk Leopold F.G. von

Die Predigt am Magdalenentage

Ein Priester predigte am Tage Magdalenen
Vom Greuel ihrer ersten Lebensart;
Doch ward nachher das Lob der Schönen
Ob ihrer Reu' und Buße nicht gespart. —

Nun fuhr der Redner zu den Damen,
Die vor ihm saßen, eifernd fort:
"Wieviel sind unter euch, die mehr zu diesem Ort
Sich zu belustigen als zu belehren kamen! —

Absonderlich ist eine unter euch,
Bei der hilft weder Droh'n noch Bitten —
An Leichtsinn und an losen Sitten
Bleibt sie vielmehr sich immer gleich! —

Wie heilig hat sie alle Jahr'
Im Beichtstuhl Besserung versprochen —
Allein, wie allzubalde war
Stets dies Gelübd' gebrochen? —

Und da sie ihre Frechheit immerdar
Noch gar vermehrt — wer kann's verwehren,
Wenn wir sie öffentlich beschwören?! —
Das will ich jetzt auch tun! — Es ist — es ist —

Was meint ihr? Soll ich namentlich sie nennen? —
Ich sollt' es freilich wohl — doch wißt —
Allein, warum nicht? — Gut, ihr sollt sie kennen! —
Vielleicht bringt dies zu ihrer Pflicht

Sie noch zurück — so leid mir's tut, sie zu beschämen.
Es ist — doch — ohne Makel könnt' ich nicht
Den Namen nur auf meine Zunge nehmen! —
Ich will sie drum auf andere Art der Welt

Kundmachen und an ihr das Strafamt schärfen.
Dort sitzt sie! — Wie sie sich nicht stellt! —
Jetzt werd' ich mein Gebetbuch nach ihr werfen! —
Gebt acht! — Gebt acht, auf wen es fällt!" —

Indem er nun empor mit seinem Buche fuhr,
War jede bange vor dem Falle,
Und jede bückte sich. —"Verdorbene Natur! —
Ich dacht', es wäre eine nur —
Nun seh' ich wohl — sie sind es alle!"