literatur pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite
   
Goethe Johann Wolfgang von

Westöstlicher Divan

Hikmet Nameh - Buch der Sprüche

Gutes tu rein aus des Guten Liebe,
Was du tust, verbleibt dir nicht;
Und wenn es auch dir verbliebe,
Bleibt es deinen Kindern nicht.

Soll man dich nicht aufs schmählichste berauben,
Verbirg dein Gold, dein Weggehn, deinen Glauben.

Wie kommt's, daß man an jedem Orte
So viel Gutes, so viel Dummes hört?
Die Jüngsten wiederholen der Ältesten Worte
Und glauben, daß es ihnen angehört.

»Laß dich nur in keiner Zeit
Zum Widerspruch verleiten,
Weise fallen in Unwissenheit,
Wenn sie mit Unwissenden streiten.«

»Warum ist Wahrheit fern und weit?
Birgt sich hinab in tiefste Gründe?«

Niemand versteht zur rechten Zeit!
Wenn man zur rechten Zeit verstünde.
So wäre Wahrheit nah und breit
Und wäre lieblich und gelinde.

Was willst du untersuchen,
Wohin die Milde fließt!
Ins Wasser wirf deine Kuchen,
Wer weiß' wer sie genießt.

Als ich einmal eine Spinne erschlagen,
Dacht ich, ob ich das wohl gesollt?
Hat Gott ihr doch wie mir gewollt
Einen Anteil an diesen Tagen!

»Dunkel ist die Nacht, bei Gott ist Licht.
Warum hat er uns nicht auch so zugericht'?«

Welch eine bunte Gemeinde!
An Gottes Tisch sitzen Freund' und Feinde.

Ihr nennt mich einen kargen Mann;
Gebt mir, was ich verprassen kann.
Soll ich dir die Gegend zeigen,
Mußt du erst das Dach besteigen.

Wer schweigt, hat wenig zu sorgen,
Der Mensch bleibt unter der Zunge verborgen.

Ein Herre mit zwei Gesind,
Er wird nicht wohl gepflegt.
Ein Haus, worin zwei Weiber sind,
Es wird nicht rein gefegt.

Ihr lieben Leute, bleibt dabei
Und sagt nur: »Autos epha!«
Was sagt ihr lange Mann und Weib?
Adam, so heißt's, und Eva.

Wofür ich Allah höchlich danke?
Daß er Leiden und Wissen getrennt.
Verzweifeln müßte jeder Kranke,
Das Übel kennend, wie der Arzt es kennt.

Närrisch, daß jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam Gott ergeben heißt,
In Islam leben und sterben wir alle.

Wer auf die Welt kommt, baut ein neues Haus,
Er geht und läßt es einem zweiten.
Der wird sich's anders zubereiten,
Und niemand baut es aus.

Wer in mein Haus tritt, der kann schelten,
Was ich ließ viele Jahre gelten;
Vor der Tür aber müßt er passen,
Wenn ich ihn nicht wollte gelten lassen.

Herr, laß dir gefallen
Dieses kleine Haus,
Größre kann man bauen,
Mehr kommt nicht heraus.

Du bist auf immer geborgen,
Das nimmt dir niemand wieder:
Zwei Freunde, ohne Sorgen,
Weinbecher, Büchlein Lieder.
»Was brachte Lokman nicht hervor,
Den man den Garst'gen hieß!«
Die Süßigkeit liegt nicht im Rohr,
Der Zucker, der ist süß.

Herrlich ist der Orient
Übers Mittelmeer gedrungen;
Nur wer Hafis liebt und kennt,
Weiß, was Calderon gesungen.

»Was schmückst du die eine Hand denn nun
Weit mehr als ihr gebührte?«
Was sollte denn die Linke tun,
Wenn sie die Rechte nicht zierte?

Wenn man auch nach Mekka triebe
Christus' Esel, würd er nicht
Dadurch besser abgericht',
Sondern stets ein Esel bliebe.

Getretner Quark
Wird breit, nicht stark.

Schlägst du ihn aber mit Gewalt
In feste Form, er nimmt Gestalt.
Dergleichen Steine wirst du kennen,
Europäer Pisé sie nennen.

Betrübt euch nicht, ihr guten Seelen!
Denn wer nicht fehlt, weiß wohl, wenn andre fehlen;
Allein wer fehlt, der ist erst recht daran,
Er weiß nun deutlich, wie sie wohlgetan.

»Du hast gar vielen nicht gedankt,
Die dir so manches Gute gegeben,
Darüber bin ich nicht erkrankt,
Ihre Gaben mir im Herzen leben.

Guten Ruf mußt du dir machen,
Unterscheiden wohl die Sachen;
Wer was weiter will, verdirbt.«

»Die Flut der Leidenschaft, sie stürmt vergebens
Ans unbezwungne feste Land.«
Sie wirft poetische Perlen an den Strand,
Und das ist schon Gewinn des Lebens.

Wesir
Der gute Mann hat wenig begehrt,
Und hätt ich's ihm sogleich gewährt,
Er auf der Stelle verloren war.

Schlimm ist es, wie doch wohl geschieht,
Wenn Wahrheit sich nach dem Irrtum zieht;
Das ist auch manchmal ihr Behagen,
Wer wird so schöne Frau befragen?
Herr Irrtum, wollt er an Wahrheit sich schließen,
Das sollte Frau Wahrheit baß verdrießen.

Wisse, daß mir sehr mißfällt,
Wenn so viele singen und reden!
Wer treibt die Dichtkunst aus der Welt;
Die Poeten!