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Meinloh von Sevelingen

Sō wź den merkaeren

Sō wź den merkaeren! die habent mīn übele gedāht,
sie habent mich āne schulde in eine grōze rede brāht,
si waenent mir in leiden, sō sī sō rūnent under in.
nu wizzen alle gelīche, daz ich sīn vriundin bin.
Āne nāhe bī gelegen, des hān ich weiz got niht getān.
staechen si ūz ir ougen!
mir rātent mīne sinne an deheinen andern man

Mir erwelten mīniu ougen einen kindeschen man.
daz nīdent ander vrowen; ich hān in anders niht getān,
wan ob ich hān gedienet, daz ich diu liebeste bin,
dar an wil ich kźren mīn herze und al den sin.
Swelhiu sīnen willen hie bevor hāt getān,
verlōs si in von schulden
der wil ich nū niht wīzen, sihe ich si unvroelīchen stān.

Ich hān vernomen ein maere, mīn muot sol aber hōhe stān:
wan er ist komen ze lande, von dem mīn trūren sol zergān.
mīns herzen leide sī ein urloup gegeben.
mich heizent sīne tugende, daz ich vil staeter minne pflege
Ich gelege mir in wol nāhe, den selben kindeschen man.
sō wol mich sīnes komens: wie wol er vrowen dienen kan.

Neuhochdeutsch:
Verwünscht seien die Aufpasser ! Sie haben mir übel mitgespielt. / Sie haben mich ohne Grund
sehr ins Gerede gebracht. / Sie meinen, sie könnten ihn mir verleiden, wenn sie so untereinander tuscheln. / Sollen sie doch alle wissen, daß ich seine Freundin bin! / Ohne mit ihm zu schlafen, das habe ich weiß Gott nicht getan. / Die Augen soll man ihnen ausstechen! / Mir raten Herz und Verstand zu keinem anderen Mann.

Meine Augen erwählten mir einen jungen Mann. / Darauf sind andere Frauen eifersüchtig.
Nichts anderes habe ich ihnen getan, / als daß ich erlangt habe, ihm die Liebste zu sein; / darauf will ich mein Herz und allen Sinn richten. / Der Frau, die ihm zuvor zu Willen war / wenn sie ihn nicht ohne Grund verlor , / der will ich es nun nicht vorwerfen, wenn ich sie traurig dastehen sehe.

Ich habe eine Nachricht erhalten, ich werde wieder froh sein! / Denn er ist ins Land gekommen,
durch den mein Leid vergehen wird. / So gebe ich meinem Herzenskummer Abschied. / Seine
Vortrefflichkeit sagt mir, daß ich ganz treu lieben werde. / Ganz nahe lege ich ihn zu mir, diesen
jungen Mann. / Wie freue ich mich, daß er kommt! Und wie wunderbar er höfischen Frauen
dienen kann!