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Schiller Friedrich von

Epigramme


Der epische Hexameter
Schwindelnd trägt er dich fort auf rastlos strömenden Wogen,
Hinter dir siehst du, du siehst vor dir nur Himmel und Meer.

Das Distichon
Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.

An die Astronomen
Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen,
Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt ?
Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume,
Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.

Der Fuchs und der Kranich
An F. Nicolai
Den philosophschen Verstand lud einst der gemeine zu Tische,
Schüsseln, sehr breit und flach, setzt' er dem Hungrigen vor.
Hungrig verließ die Tafel der Gast, nur dürftige Bißlein
Faßte der Schnabel, der Wirt schluckte die Speise allein.
Den gemeinen Verstand lud nun der abstrakte zu Weine,
Einen enghalsigen Krug setzt' er dem Durstigen vor.
»Trink nun, Bester!« So sprach und mächtig schlurfte der Langhals,
Aber vergebens am Rand schnuppert das tierische Maul.

Erwartung und Erfüllung
In den Ozean schiffte mit tausend Masten der Jüngling,
Still, auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis.

Die Peterskirche
Suchst du das Unermeßliche hier, du hast dich geirret.
Meine Größe ist die, größer zu machen dich selbst.

Das Unwandelbare
»Unaufhaltsam enteilet die Zeit.« - Sie sucht das Beständge.
Sei getreu, und du legst ewige Fesseln ihr an.

Freund und Feind
Teuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen,
Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll.

Würden
Wie die Säule des Lichts auf des Baches Welle sich spiegelt,
Hell wie von eigener Glut flammt der vergoldete Saum,
Aber die Well entführet der Strom, durch die glänzende Straße
Drängt eine andre sich schon, schnell wie die erste zu fliehn:
So beleuchtet der Würden Glanz den sterblichen Menschen,
Nicht er selbst, nur der Ort, den er durchwandelte, glänzt.

Würde des Menschen
Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen,
Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.

Politische Lehre
Alles sei recht, was du tust, doch dabei laß es bewenden,
Freund, und enthalte dich ja, alles, was recht ist, zu tun.
Wahrem Eifer genügt, daß das Vorhandne vollkommen sei;
Der falsche will stets, daß das Vollkommene sei.

Das Ehrwürdige
Ehret ihr immer das Ganze, ich kann nur Einzelne achten,
Immer in Einzelnen nur hab ich das Ganze erblickt.

Gewissensskruppel
Gerne dien ich den Freunden, doch tu ich es leider mit Neigung,
Und so wurmt es mir oft, daß ich nicht tugendhaft bin.

Decisum
Da ist kein anderer Rat, du mußt suchen, sie zu verachten,
Und mit Abscheu alsdann tun, wie die Pflicht dir gebeut.