Schmidt-Brädikow
Wilhelm
Cary
Ich saß zu deinen Füßen,
du liebes, trautes Kind;
mit deinen Locken spielte
der laue Abendwind.
Dein blaues Auge schaute
in's ferne Abendrot,
die warme Frühlingssonne
dir ihren Abschied bot.
Der Wald sang leise Weisen,
ein trautes Schlummerlied;
die Wipfel rings sich neigten,
als ob er von dir schied.
Die Welle sandte Kühle
zur tiefen Abendruh';
die Blumen hauchten kosend
den süßen Duft dir zu.
Da sank dein Haupt zurücke
auf eines Steines Moos;
die dunkle Wimper deckte
das Auge klar und groß.
Und auf den bleichen Wangen
erblühten Röslein rot. —
Es kündeten die Rosen
mir deinen nahen Tod.
Es hob die Brust sich leise;
du lächeltest im Traum,
und deine Seele schwebte
wohl schon ob Zeit und Raum.
Mir hat das Herz geblutet
Vor übergroßem Weh. —
Nun ist es Winter worden.
Dein Grab deckt kalter Schnee.
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