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Tannhäuser
Wol im, der nû beissen sol
ze Pülle ûf dem gevilde!
der birset, dem ist dâ mit wol,
der siht sô vil von wilde.
Sumelîche gânt zen brunnen,
die andern rîtent schowen;
der fröide ist mir zerunnen.
das bannet man bî den frowen,
Des darf man mich niht zîhen.
ich birse ouch niht mit winden,
in beisse ouch niht mit valken,
in mag niht fühse gejagen,
man siht ouch mich niht volgen
nâch hirzen unde nâch hinden;
mich darf ouch nieman zîhen
von rôsen schappel tragen.
Man darf ouch mîn niht warten,
dâ stêt der grüene klê,
noch suochen in dien garten
bî wolgetânen kinden:
ich swebe ûf dem sê.
Ich bin ein erbeit saelig man,
der niene kan belîben,
wan hiute hie, morne anderswan.
sol ich das iemer trîben,
Des muos ich dike sorgen,
swie froelîch ich dâ singe,
den âbent unde den morgen,
war mich das wetter bringe,
Das ich mich sô gefriste
ûf wasser unde ûf lande,
das ich den lîb gefüere
unz ûf die selben stunt.
ob ich den liuten leide
in snoedem gewande,
sô wirt mir diu reise
mit freise wol kunt.
Daran solde ich gedenken,
die wîle ich mich vermag:
in mag im niht entwenken,
ich muos dem wirte gelten
vil gar ûf einen tag.
Wâ leit ie man sô grôsse nôt
als ich von boesem trôste?
Ich war zeKrîde vil nach tôt,
wan das mich got erlôste.
Mich sluogen sturnwinde
vil nâch zeinem steine
in einer naht geswinde
mîn fröide diu was kleine.
Die ruoder mir zerbrâchen
nû merkent, wie mir waere!
die segel sich zerzarten,
sie flugen ûf den sê.
die marner alle jâhen,
das si sô grôsse swaere
nie halbe naht gewunnen
mir tet ir schrîen wê.
Das werte sicherlîchen
unz an den sehsten tag.
in mahte im niht entwîchen
ich muos es alles lîden
als der niht anders mag.
Die winde, die sô sêre waent
gegen mir von Barbarîe,
das si sô rehte unsüesse blaent,
die andern von Türggîe!
Die welle unde ouch die ünde
gent mir grôs ungemüete:
das sî für meine sünde
der reine got mîn hüete.
Mîn wasser das ist trüebe,
mîn piscot der ist herte,
mîn fleisch ist mir versalzen,
mir schimelget mîn wîn.
der smak, der von der sutten gât,
der ist niht guot geverte:
dâ für naeme ich der rôsen ak,
unde mehte es wol gesîn!
Zisern unde bônen
gent mir niht nôhen muot.
wil mir der hôchste lônen,
sô wirt das trinken süesse
unde ouch diu spîse guot.
Ahî, wie saelig ist ein man,
der für sich mag gerîten!
wie kûme mir der gelouben kan,
das ich muos winde bîten!
Der Schrok von Oriende,
unde der von Tremundâne,
unde der von Occidende,
Arsûre von dem plâne,
Der Meister ab den Alben,
der Krieg ûs Rômânîe,
der Levandân unde Ôster,
die mir genennet sint;
ein wint von Barbarîe waet,
der ander von Türggîe,
von norten kumt; der Mezzot, seht,
das ist der zwelfte wint.
Waer ich ûf dem sande,
der Namen wisse ich niht:
durch got ich fuor von lande
unde niht dur dise frâge,
swie wê halt mir geschiht.
Neuhochdeutsch:
Glücklich der, der jetzt auf den Gefilden / Apuliens zur Beizjagd gehen
kann! / Wer dort auf die Pirsch zieht, der kommt auf seine Kosten, / soviel
Wild trifft er dort an. / Da gehen die einen zu den Quellen, / die anderen
reiten spazieren; / für mich aber existieren solche Freuden nicht mehr.
/ Freilich, die Gegenwart höfischer Damen bannt solch freudlosen Zustand,
/ aber genau das trifft auf mich nicht zu. / Und ich gehe auch nicht mit
Windhunden auf die Pirsch, / ich jage weder mit Falken, / noch darf ich
auf die Fuchsjagd ziehen, / man sieht mich auch nicht, / wie ich Hirschen
und Hinden nachstelle, / und niemand darf von mir behaupten, / ich liefe
mit einem Kränzlein aus Rosen herum. / Man kann mich auch dort nicht antreffen,
/ wo der grüne Klee steht, / noch darf man mich in den Gärten suchen,
/ bei den hübschen jungen Mädchen: / ich treibe auf dem Meer.
Ich bin ein leidgeprüfter Mann, / der nirgends eine Bleibe
hat, / heute hier, morgen da. / Daß das möglicherweise immer so gehen
wird, / ist meine größte Sorge; / wie fröhlich meine Lieder auch klingen
mögen, / ich sorge mich des Abends und des Morgens, / wohin das Wetter
mich noch verschlagen wird, / wie ich mein Leben friste, / zu Wasser und
auf dem Lande, / wie ich mich durchschlage, / bis meine Stunde gekommen
ist. / Wenn ich den Menschen zuwider bin / in meinem schäbigen Rock, /
so wird mir mit Schrecken bewußt, / auf welche Fahrt ich mich eingelassen
habe. / Das eine aber sollte ich nicht vergessen, / solange ich meiner
Sinne mächtig bin: / ich kann mich ihm nicht entziehen, / ich muß dem
Herrn Rechenschaft ablegen, / restlos, am letzten Tag.
Wo hat je ein Mann so viel gelitten wie ich, / dessen Hoffnungen
bitter enttäuscht wurden? / Bei Kreta wäre ich beinahe ums Leben gekommen,
/ hätte nicht Gott mich da errettet. / Sturmwinde schleuderten mich /
gegen eine Klippe, / bei Nacht, ganz unerwartet / meine Freude war
nicht sehr groß. / Die Ruder zerbrachen mir / paßt nur auf, wie
es mir erging! / Die Segel zerfetzten / und flogen aufs Meer. / Die Matrosen
gaben durchweg zu, / daß sie solches Unwetter / nicht einmal eine halbe
Nacht lang durchstehen könnten / mir tat ihr Schreien weh. / Und
doch hielt es ungelogen / bis zum sechsten Tag an. / Ich konnte ihm nicht
entkommen, / ich mußte alles ertragen, wie einer, / dem keine andere Wahl
bleibt.
Diese Winde, die mir aus Berberland / so heftig entgegenblasen!
/ Und die anderen, die aus der Türkei, / daß die so toben müssen! / Wogen
und Wellen / bereiten mir großes Unbehagen: / ich nehme es als Buße für
meine Sünden / Gott der Gerechte sei mir gnädig! / Mein Trinkwasser
ist brackig, / mein biscotto hart, / mein Fleisch versalzen, /
der Wein schimmelt mir. / Der ›Wohlgeruch‹, der aus dem Schiffsraum aufsteigt,
/ ist kein angenehmer Gesell; / ich tauschte gerne den ›Gestank‹ der Rosen
dafür ein / wenn das doch nur möglich wäre! / Kichererbsen und Bohnen
/ versetzen mich nicht gerade in höfische Hochstimmung. / Doch will der
Höchste mich belohnen, / so wird mein Wasser wieder süß / und meine Speise
wieder gut.
Wie glücklich ist doch ein Mann, / der vor sich hinreiten
kann! / Der wird mir kaum glauben können, / daß ich hier auf Winde warten
muß! / Der Schirokko aus dem Orient / und der von Tramontana / und der
aus Okzident, / Arsura aus der Wüste, / der Mistral von den Alpen, / der
Greco aus der Romania, / der Levantano und der Austro / die hat
man mir genannt; / ein weiterer Wind weht aus Berberland, / ein anderer
aus der Türkei, / und wieder einer aus Norden; schließlich der Mezzodì,
seht, / damit sind es genau zwölf Winde. / Wäre ich am sicheren Ufer,
/ so wüßte ich diese Namen nicht. / Um Gott zu dienen, habe ich das Land
verlassen, / und nicht um dieser Erfahrung willen, / so dreckig, wie es
mir jetzt geht.
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