| Volland Friedrich
Mamsell und Scholare
Ein fahrender Scholare
Zog gen Paris vom Rhein
Und kehrte am Montmartre
In einer Schenke ein.
Ein schön gemalt Mamsellchen
Bot ihm »bon jour« und Knix,
Der fahrende Scholare,
Der sah und hörte nix.
Er saß in einer Ecke
Und sprach: »Du pain, du sel,
Beaucoup de vin zum Trinken!
Versteht Ihr wohl, Mamsell?!«
Da dachte die Mamselle:
"Wie der Scholare spricht,
So spricht man hierzulande
Mit den Mamsellen nicht."
Doch hat sie ihn verstanden
Und brachte Brot und Wein -
Das Brot war weiß und trocken,
Der Wein war nicht vom Rhein.
Da dachte der Scholare:
"Die Zehrung taugt mir nicht;
Sie sprechen's durch die Nase,
Drum schmeckt's auch, wie man's spricht."
Und schob den Wein zur Seite
Und ließ das Weißbrot stehn
Und hat hinaus ins Weite
Bis an den Rhein gesehn. —
Da dachte die Mamselle:
"Sein Aug' ist treu und braun,
Doch dürft' es nicht so trübe
Hinaus durchs Fenster schaun.
Er schaut so still und traurig,
Als sei ihm was gescheh'n;
Mich deucht, als hätt' ich auch einmal
So in die Welt geseh'n."
Und frug ihn sanft und leise:
"Est-ce que vous avez Weh-Weh
Und grand chagrin d'amoure,
Monsieur, vous comprenez?"
Da dachte der Scholare:
"Was die Mamselle spricht,
Das klingt auch durch die Nase,
Bei Gott, so übel nicht."
Und sah sie an und dachte:
"Ihr Mund ist weich und rot,
Es frißt ein armer Teufel
Auch Fliegen in der Not."
Und nahm vom weißen Brote
Und trank vom sauren Wein
Und schlief mit der Mamselle
Tief in den Tag hinein.
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