|
|
Cicero 106 - 43 vuZ
Lebensdaten
Marcus Tullius Cicero ist eine der bekanntesten
Gestalten des Altertums. Ein großer Teil seines Lebens ist gut überschaubar, weil er
fast tausend Briefe hinterlassen hat, in denen er über sich und
seine Zeitgenossen berichtet.
Er wurde am 3.1.106 vuZ in Arpinum bei Latium geboren. Obgleich er aus
dem niedrigen Landadel stammte, vollbrachte er eine bis dahin beispiellose
politische Karriere: In kurzer Zeit Aufstieg in die höchsten Staatsämter
bis zum Konsulat im Jahre 63 vuZ, wobei er alle Ämter zum frühestmöglichen
Zeitpunkt (suo anno) bekleidete.
Er begann seine Laufbahn nach gründlicher Ausbildung als Anwalt in
Rom. Von Jugend an befaßte er sich mit griechischer Kultur, Philosophie
und Rhetorik. Sein politischer Aufstieg begann 80 vuZ mit spektakulären
Auftritten in politischen Prozessen. In den Jahren 79 bis 77 vuZ unternahm
Cicero eine Bildungsreise nach Athen und Rhodos, wo er für sein weiteres
Lebens entscheidende rhetorische und philosophische Anregungen von griechischen
Rednern und Philosophen bekam. 70 vuZ. siegte er im berühmten Prozeß gegen
Verres, den korrupten und verbrecherischen Statthalter Siziliens.
Cicero durchlief in schnellster Zeit die Ämterlaufbahn (cursus honorum)
und galt deshalb als homo novus (politischer Newcomer) in Rom.
Der cursus honorum beinhaltete folgende Stationen:
1. Quästor /Chef der Finanzverwaltung
2. Ädil /Polizeidezernent
3. Prätor /hoher Richter
4. Konsul; zwei Konsuln regierten zur damaligen Zeit das römische
Reich)
5. Zensor /Höchstes Amt im Senat, eine Art Bundespräsident
mit geringen Machtbefugnissen
Der Revolutionsversuch des Catilina und die Folgen
Im Jahre 66 vuZ trat Cicero als Prätor für die besonderen Vollmachten
des Pompejus ein. Als Konsul bekämpfte er 63 vuZ die Verschwörung
Catilinas und rettete so für kurze Zeit die römische Republik
vor tyrannischer Alleinherrschaft. Er selbst bezeichnete diesen Erfolg
als Höhepunkt in seinemLebens. 59 vuZ wurde Cicero verbannt, da der
Senat - nicht zuletzt auf Betreiben Caesars - die Ermordung der aufständischen
Anhänger des Catilina verurteilte: römische Bürger hätten
nicht umgebracht werden dürfen. Jedoch wurde er schon 57 vuZ mit
Ehren aus dem Exil zurückgerufen, konnte an seine politische Laufbahn
jedoch nicht wieder anknüpfen, da Caesar und Pompeius dem entgegenstanden.
Schriftsteller und Politiker
In dieser Zeit (56-51) entstanden unter anderem seine bedeutenden Schriften "De re publica" und "Über den Redner", in denen
das Ideal des Römertums, erfüllt durch den Wertgedanken der
Griechen, seine Ausprägung fand. 51 vuZ verwaltete Cicero als Prokonsul
die Provinz Kilikien. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus der Provinz
brach in Rom der Bürgerkrieg aus (49 vuZ), in dem sich Cicero zunächst
bemühte, zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln. Nach
dem Scheitern dieser Versuche schloss er sich jedoch Pompeius an.
Politisches scheitern
Dummerweise war es Pompeius, der im Bürgerkrieg gegen Caesar unterlag.
Cicero hatte also politisch auf´s falsche Pferd gesetzt, zog sich
infolge dieser misslichen Lage nach Brundisium zurück und wartete
auf eine Amnestisierung durch Caesar, um rehabilitiert und gefahrlos nach
Rom zurückkehren zu können. Die sich nun immer mehr abzeichnende
Alleinherrschaft Caesars vernichtete Ciceros Hoffnungen, die Republik
(libera res publica) könne nun nach Beendigung des Bürgerkrieges
zu neuem Leben erwachen. Dennoch versuchte er, den neuen Alleinherrscher
Caesar für eine maßvolle, legale Staatslenkung zu gewinnen.
Cicero hatte zwar keinerlei Einfluss auf die Politik Caesars, wurde aber
von diesem dennoch aufgrund seiner Leistungen respektiert.
Letzte politische Bemühungen und Ermordung
Nach Caesars Ermordung, im Jahre 44 vuZ, trat Cicero für die Wiederherstellung
der republikanischen Senatsherrschaft ein, jedoch vergeblich. Er brachte
sich dadurch in schärfsten Widerspruch zu Marcus Antonius, der sich
als gesetzlicher und politischer Nachfolger Caesars ansah. Gegen ihn richtete
Cicero seine 14 Phillippischen Reden (sein zweiter, letzter und folgenschwerster
politischer Fehler). Unmittelbar nach Abschluss des Triumvirats (43 vuZ)
(Antonius - Oktavian - Lepidus) wurde Cicero in Formiae von Anhängern
des Antonius ermordet. Seine Hände, welche dem Auftraggeber des Mordes
so verhaßt waren, wurden abgeschnitten und zusammen mit seinem
Kopf auf dem Forum Romanum zur Schau gestellt.
Literarische Leistungen
Ciceros politische Taktik ist aufgrund seiner eklatanten Mißerfolge
umstritten. Doch seine literarische Leistung sucht im Lateinischen seinesgleichen.
Er hat nicht nur durch seine lateinischen Übersetzungen und Darstellungen
griechischer Kultur dafür gesorgt, dass Europa noch heute seine
Wurzeln in der griechischen Antike erkennt, sondern er hat - insbesondere
auch
durch seine 58 erhaltenen Reden - bis zum heutigen Tage den Stil "klassischen",
d.h. "guten" Lateins bestimmt.
|